Podiumsdiskussion am 20.01.2026 mit

Prof. Dr. Hendrik Streeck MdB

Begrüßung der Gäste und Vorstellung der Podiumsteilnehmer durch die Vorsitzende des SuPEr e.V.:
Prof. Dr. Marion Eich-Born.

v.r.n.l.: Prof. Dr. Marion Eich-Born, Vorsitzende des SuPEr e.V.;
Prof. Dr. Hendrik Streeck, Drogenbeauftragter der Bundesregierung, MdB;
Michael Hose, MdB,
Wendy Oswald, Polizeihauptkommissarin;
Prof. Dr. Philip Heiser, Chefarzt im Nordhäuser Klinikum für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Kindes- und Jugendalter;
Christoph Zippel, MdL, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU

Foto: Daniel Beck

v.l.n.r.: Christoph Zippel MdL; Prof. Dr. Philipp Heiser; Wendy Oswald, Polizeihauptkommisarin;
Prof. Dr. Hendrick Streeck, Drogenbeauftragter; Prof. Dr. Marion Eich-Born; Michael Hose, MdL

Durch Vermittlung von unserem Bundestagsabgeordneten Michael Hose (CDU) konnten wir seinen Fraktionskollegen, den Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Prof. D. Hendrik Streeck, ins Augustinerkloster einladen.

Mehr als 150 Gäste waren der Einladung gefolgt. Im Luthersaal war kein freier Stuhl mehr verfügbar. Das war ein Zeichen dafür, wie sehr das Thema den Menschen in unserer Stadt auf der Seele brennt.

Foto: Daniel Beck

Michael Hose, Schulleiter

Foto: Daniel Beck

Michael Hose hat als Schulleiter im Erfurter Norden sehr deutlich erlebt, was Drogen mit Jugendlichen machen: „Ich bin dankbar, dass der SuPEr e.V. den Revolution Train nach Erfurt holt und damit einen wichtigen Beitrag zur Suchtprävention leistet. Genau solche Projekte zeigen, dass Prävention vor Ort gestärkt werden muss, um junge Menschen wirksam zu schützen.“

Prof. Dr. Marion Eich-Born, Vorsitzende des SuPEr e.V.

Foto: Daniel Beck

„Als Vorsitzende des SuPEr e.V. haben wir seit 2018 gesehen, was für einen Schwung jährlich der tschechische Revolution Train in die schulische Prävention getragen hat. Deshalb arbeiten wir als Verein daran, einen deutschen Präventionszug ins Leben zu rufen. Vor dem Hintergrund der angespannten öffentlichen Haushaltslage bedarf es einer konzertierten Aktion mit vielen Playern u.a. über Crowd-Funding. Den Drogenbeauftragten sehen wir als wichtigen Unterstützer.

Prof. Dr. Hendrik Streeck

Foto: Daniel Beck

Der Drogenbeauftragte gab einen breiten Einblick in sein Arbeitsportfolio.

Seine zentralen Kernbotschaften vorab:

  • Das CanG darf so nicht bleiben
  • Als wissenschaftlich gesichert gilt: Regelmäßiger Drogenkonsum im Kindes- Jugendalter greift in die Hirnentwicklung ein, die bis zum 23. Lebensjahr erfolgt.
  • Die Verfügbarkeit hoch gefährlicher Drogen steigt rasant auf dem Drogenmarkt über neue Online- und Schmuggelkanäle. Die Konsequenz: „Wir müssen schneller, systematischer und konsequenter reagieren auf neue, immer gefährlichere Drogen.“

Prof. Dr. Streeck zum CanG:

  • Das absolute Konsumverbot für Jugendliche muss bleiben. Allerdings muss es eine Nachschärfung der Strafbarkeit für die Weitergabe von Cannabis an Jugendliche durch Erwachsene geben.
  • Besser ist ein Konsumverbot in der Öffentlichkeit als die unrealisierbare Abstandsregelung vor Schulen, Kitas….
  • Der Mechanismus der Frühintervention durch Jugendstrafe ist leider weggefallen. Wir müssen neue Wege der Frühintervention gehen.

Prof. Dr. Streeck empfahl zahlreiche Präventionsstrategien und Programme des Bundes zur Stärkung von Lebenskompetenzen bei Kindern und Jugendlichen: darunter u.a.

  • „Cannabis – quo vadis?“: Ein interaktiver Workshop für die Klassen 8-10, der sachliche Informationen vermittelt und das soziale Umfeld einbezieht.
  • „Der grüne Koffer“: Ein Methodenset für pädagogische Fachkräfte in Schulen und Jugendeinrichtungen, um selbst Workshops durchzuführen.
  • FreD (Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten): Ein bewährtes Kurzinterventionsprogramm.
  • „Quit the Shit“: Ein internetbasiertes, anonymes Beratungsprogramm für  Konsumierende, die ihren Konsum reduzieren wollen.
  • Die Informationsplattform des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) bietet weitere Hinweise und Materialien für verschiedene Zielgruppen

Prof. Dr. Streeck zu Folgen des Drogenkonsums:

  • Neben erheblichen Beeinträchtigungen bei der Lern- und Erinnerungsleistung ergeben sich negative Auswirkungen auf andere kognitive Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Problemlösungskompetenzen, Denkleistung.
  • Cannabis scheint für vulnerable Personen das Risiko für Depressionen, Angst- und bipolare Störungen zu erhöhen
  • Das Risiko für eine Angststörung verdoppelt sich auf den Faktor 3,2, wenn Jugendliche schon vor dem 16. Lebensjahr konsumieren.
  • Am deutlichsten ausgeprägt ist das erhöhte Krankheitsrisiko bei psychotischen Störungen wie Schizophrenie (bei gelegentlichem Konsum ist das Erkrankungsrisiko um das 1,4- bis 2-fache erhöht, bei intensivem Konsum um das 2- bis 3,4 fache)
  • Die Schulabbrecherquote hat sich im Fall von häufigem Cannabiskonsum erheblich erhöht mit langfristig wirkenden negativen sozialen Folgen.
  • Vorgeschlagene Maßnahmen: einerseits verschärfte Rahmenbedingungen (u.a. Änderung des CanG, Vorgehen gegen internationale Drogenkriminalität), andererseits Drug Checking, ein Monitoring- und Warnsystem, eine modern ausgestattete Suchthilfe, neue Präventionsformate und Modellprojekte

Hier ein Link zum Drogenbeauftragten mit weiteren Informationen https://www.bundesdrogenbeauftragter.de/

Die Polizeihauptkommissarin, Wendy Oswald,

berichtete ausführlich von ihren Erfahrungen im Umgang mit Drogenabhängigen und den neuen Rahmenbedingungen durch das Cannabisgesetz.

Eine rege Diskussion mit dem Publikum, das Fragen an die Podiumsteilnehmer auf dem Podium richtete insbesondere zu Erfahrungen von Prof. Dr. Heiser aus dem klinischen und Wendy Oswald aus dem polizeilichen Alltag.

„Der Bedarf an früh ansetzenden präventiven und therapeutischen Maßnahmen zur Verhinderung von Suchtentwicklung ist durch die jüngsten Entwicklungen auf dem Drogenmarkt sehr hoch! Warum?“

Prof. Dr. Heiser, Chefarzt in der Nordhäuser Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Kindes- und Jugendalter:

Foto: Daniel Beck

Seine zentrale These: Der Bedarf an früh ansetzenden präventiven und therapeutischen Maßnahmen zur Verhinderung von Suchtentwicklung ist durch die jüngsten Entwicklungen auf dem Drogenmarkt sehr hoch! Warum?

  • Die Anzahl junger Patienten mit Drogenkonsum hat im klinischen Alltag erheblich zugenommen.
  • Gleichzeitig werden die Konsumenten immer jünger.
  • Die Cannabislegalisierung, auch wenn sie erst ab 18 Jahren gilt, ist aus dem Blickwinkel unserer klinischen Arbeit heraus für Jugendliche fatal, weil sie damit eine Verharmlosung der Cannabiswirksamkeit verbinden.
  • Wir erleben in der Praxis das, was die Forschung zur Gehirnreifung im Zusammenhang mit Drogenkonsum belegt: Einschränkungen der kognitiven Fähigkeiten wie Konzentration, Aufmerksamkeit und Lernfähigkeit.
  • In der Folge u.a. Schulabsentismus als „red flag“ für diverse Entwicklungsrisiken, die neben den genannten Faktoren auch erhebliche soziale Folgen für die Betroffenen nach sich ziehen.
  • In der klinischen Praxis erleben wir psychische Erkrankungen wie etwa Depressionen, Angststörungen bis hin zu Psychosen manche als irreversibel, andere mit langfristiger negativer Begleitung durch das noch junge Leben.
  • Die Gefahren der neuen synthetischen Drogen, mit denen der Drogenmarkt überschwemmt wird, sind dramatisch. Diese Drogen bringen erhebliche gesundheitliche Gefahren mit sich wie substanzinduzierte Psychosen (durch Cannabis, Ecstasy, Amphetamine, Kokain, LSD) und schizophrene Psychosen
  • Gerade im Zusammenhang mit synthetischen Opioiden werden Konsumenten mit lebensgefährlichen Mischintoxikationen eingeliefert. Die Zusammensetzung des Drogencocktails ist für behandelnde Mediziner sehr schwer zu entschlüsseln und erschwert die Notfallbehandlung.
  • Die Zahl der Drogentoten ist u.a. auch deshalb seit 2015 kontinuierlich gestiegen.